Schmerzursachen

Welche Schmerzarten gibt es und was sind ihre Ursachen?

Schmerzen nicht unterschätzen

Neben der häufigsten Ursache, den Erkrankungen des Bewegungsapparates, haben Schmerzen viele andere Gründe, etwa Nerven- und Tumorerkrankungen. Bis die Ursache für Schmerzen gefunden ist, vergehen jedoch oftmals Jahre: Bis zur richtigen Diagnose und optimalen Behandlung haben beispielsweise Patienten mit Rückenschmerzen im Durchschnitt mehr als sieben Ärzte besucht.

Film zur Schmerzentstehung, -weiterleitung und -verarbeitung

Bewegungsschmerzen

Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates werden vor allem durch rheumatische Erkrankungen, Knochenschwund (Osteoporose), degenerative oder entzündliche Gelenkerkrankungen (Arthrose, Arthritis) oder Muskelschmerzen durch Verspannungen oder einseitige Haltung verursacht, meistens jedoch durch Rückenleiden.

Stärke, Art und Dauer von Rückenschmerzen sind so unterschiedlich wie ihre Ursachen. Auslöser können Muskelverspannungen (Über- oder Fehlbelastungen), Bandscheibenvorfälle, Nervenreizungen, rheumatische oder abnutzungsbedingte Erkrankungen oder Osteoporose sein – um nur einige zu nennen.

Rückenschmerzen werden oft nicht ernst genommen. Viele Betroffene leiden lange, bevor sie ärztlichen Rat suchen und Schmerzmittel erhalten, die ihre Schmerzen adäquat lindern. Doch dann kann der Schmerz bereits chronisch geworden sein. Deshalb gilt: Wenn Rückenschmerzen länger als vier Tage anhalten oder Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühle hinzukommen, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen abklären zu lassen. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie können Ihnen helfen, ernsthafte Rückenschäden und auch die Entwicklung einer chronischen Schmerzkrankheit zu vermeiden.

Lesen Sie hier mehr zu Bewegungsschmerzen bei Gelenkerkrankungen wie Arthritis, Arthrose und Osteoporose.

Osteoporose

Auch bei Gelenkerkrankungen wie Arthritis und Arthrose sollten Sie Ihre Schmerzen frühzeitig lindern, um zu verhindern, dass die Schmerzen zu einer chronischen Schmerzkrankheit führen. Darüber hinaus können Sie durch eine gezielte Bewegungstherapie die Beschwerden verbessern. Bei akuten Entzündungsschüben dürfen die betroffenen Gelenke jedoch nicht zu stark belastet werden. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, welche Art von Bewegung für Sie geeignet ist und wie viel Training Sie sich zutrauen dürfen.

Osteoporose ist eine Erkrankung, die überwiegend ältere Frauen betrifft. Sie ist eine Stoffwechselerkrankung des Knochens und führt zu einem vermehrten Abbau der Knochenmasse. Die Knochen werden porös, sind weniger stabil und belastbar. Das hat zur Folge, dass sie schon bei geringen Belastungen wie etwa kleinen Stürzen, beim Heben der Einkaufstasche, beim Bücken oder Niesen brechen können. Zu Knochenbrüchen kommt es hauptsächlich an der Wirbelsäule und an den Oberschenkelknochen. Im späten Stadium können massive Rückenschmerzen auftreten, die meist durch Wirbelkörpereinbrüche hervorgerufen werden. Meist vergehen Jahre, bis die Krankheit erste Beschwerden verursacht. Eine effektive und frühzeitige Schmerztherapie bei Osteoporose ist für Sie wichtig, um zu verhindern, dass Ihre Schmerzen chronisch werden. Durch Bewegung und regelmäßiges Training mit gezielten Übungen können Sie Ihre Muskulatur so aufbauen, dass sie die Wirbelsäule und andere tragende Körperstrukturen stützt. Zudem ist Bewegung sehr wichtig, um die Knochenmasse zu erhalten.

Nervenschmerzen

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, werden durch eine Fehlfunktion oder Schädigung von Nerven verursacht. Die Schmerzen sind oft stark und brennend oder stechend elektrisierend und können sehr quälend sein. Typisch ist außerdem, dass Patienten mit Nervenschmerzen sehr empfindlich auf Berührungen reagieren. Erkrankungen, die zu neuropathischen Schmerzen führen können, sind zum Beispiel Schlaganfall, Querschnittslähmung, Multiple Sklerose oder Gürtelrose. Auch Phantomschmerzen zählen zu den Nervenschmerzen. Die Betroffenen leiden oft über Jahre hinweg. In kaum einem anderen Schmerzbereich sind der Medizin so enge Grenzen gesetzt. Denn ist ein Nerv tatsächlich geschädigt, kann er oft nicht mehr geheilt werden. Die Behandlung zielt daher in erster Linie darauf ab, die resultierenden Schmerzen wirksam und langfristig zu lindern. Dies schützt auch davor, dass sich die Schmerzen verselbstständigen und zu einer eigenständigen Krankheit werden, was meistens einen immensen Verlust an Lebensqualität bedeuten kann. Bei neuropathischen Schmerzen sollte daher so schnell wie möglich reagiert werden.

Postoperative Schmerzen

Sowohl große Operationen als auch relativ kleine chirurgische Eingriffe können starke Schmerzen nach sich ziehen. Ausmaß und Dauer von postoperativen Schmerzen sind jedoch sehr individuell. Diese akuten Schmerzen müssen entsprechend ihrer Stärke frühzeitig therapiert werden, damit sie nicht chronisch werden. Bei starken und sehr starken Schmerzen befürworten Ärzte daher einen Einsatz von Opioiden. Es gibt operationsbegleitende Schmerztherapien, bei denen der Patient bereits vor und während des Eingriffs Opioide oder andere Schmerzmittel erhält. So können postoperative Schmerzen effektiv verringert und kann der Ausbildung von chronischen Schmerzen oder Phantomschmerzen entgegengewirkt werden. Eine gute postoperative Schmerzlinderung wirkt sich zudem positiv auf die Genesung aus. Ein ungestörter und erholsamer Schlaf und frühzeitige Mobilisierung, etwa durch Krankengymnastik und Physiotherapie, wirken sich ebenfalls positiv auf die Heilungschancen aus. Zudem ist Ihr Immunsystem nicht durch Schmerzen geschwächt, die im Körper Stress verursachen. Dadurch ist der Körper auch weniger anfällig für Infektionen.

Tumorschmerzen

Fast alle Menschen, die an Krebs erkranken, leiden kurzfristig oder fortdauernd unter starken bis sehr starken Schmerzen. Die Schmerzen stehen in etwa 80 Prozent der Fälle in direktem Zusammenhang mit dem Tumor, sie sind tumorbedingt. Denn indem der Tumor wächst oder Metastasen bildet, kann er umliegende Schmerzrezeptoren reizen.

Eine effektive Schmerztherapie ist unabhängig vom Krankheitsstadium und von der Prognose wichtig, um die Lebensqualität so hoch wie möglich zu halten. Denn nur wenn Ihr Denken und Handeln nicht von starken Schmerzen bestimmt werden, können Sie wieder aktiv am Leben teilnehmen, sich mit Ihrer Krankheit auseinandersetzen oder gegen sie ankämpfen.

Schmerzen bei Morbus Parkinson

Bis zu 83 Prozent aller Patienten mit Morbus Parkinson sind von Schmerzen betroffen [Beiske AG et al. Pain 2009; 141 (1-2:173-177)]. Trotzdem werden Schmerzen und Morbus Parkinson oftmals nicht miteinander in Verbindung gebracht. Der Fokus bei der Behandlung liegt meistens auf der Bewegungsfähigkeit. Viele wissen nicht, dass Schmerzen ein häufiges Begleitsymptom bei Morbus Parkinson sein können und in vielen Fällen sogar bereits vor den Bewegungsstörungen auftreten [Fil A et al. Parkinsonism Relat Disord 2013; 19(3):285-94].

Wurde Morbus Parkinson bei Ihnen diagnostiziert und Sie empfinden lang anhaltende Schmerzen, sprechen Sie Ihren Arzt aktiv darauf an. Denn bestehen die Schmerzen trotz optimaler Einstellung der Therapie, sollten Sie beim Arztbesuch klären, ob eine Anpassung der Parkinson-Medikamente vorgenommen oder aber eine spezifische Schmerzbehandlung eingeleitet werden sollte. Auch hier können die Schmerzskala und das Schmerztagebuch Auskunft über Dauer, Art und Stärke Ihrer Schmerzen geben.

Sind meine Schmerzen chronisch? – Eine erste Hilfestellung

Der Schmerz-Selbsttest kann Ihnen dabei helfen, Ihre Beschwerden richtig einzuordnen und sich auf das Gespräch mit Ihrem Arzt vorzubereiten.

Medikamentöse Behandlung

Chronische Schmerzen sind gut behandelbar. Hier finden Sie einen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten der medikamentösen Schmerztherapie.

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